02.
Nov.
 

 

In kleinen Schritten nach oben

BADHOHI Clemens und Julian Jürgenmeyer, Freiburg, Freunde des Vereins ´Wasser ist Leben`, begleiteten Ende September Sr. Daisy, Leiterin der Nordprovinz, in zwei ´Musahar`- Siedlungen, gelegen in der Nähe der Stadt Bhadohi, rund 45 km westlich von Benares / Varanasi, im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. In diesen beiden Siedlungen ist unsere Partnerorganisation seit etwa 3 Jahren tätig.

 

2017 hat "Wasser ist Leben" in diesen beiden Siedlungen 5 Trinkwasserbrunnen finanziert.

 

Die Musahars gehören zu den ärmsten und den am meisten degradierten Volksgruppen Indiens. Sie sind wohl tribalen Ursprungs, umfassen ca. 3 Millionen Menschen und leben vorwiegend im östlichen Teil von Uttar Pradesh und in Bihar, aber auch im sog. Terai, dem Himalaya-Vorland, entlang der indisch-nepalesischen Grenze.

In der Hierarchie der indischen Kastengesellschaft rangiert diese Volksgruppe an unterster Stelle. Sie wird selbst von den anderen ´Unberühbaren`, den Dalits, als unter ihnen Stehende angesehen und entsprechend verachtet und ausgegrenzt.

 

September 2017, Quelle: Clemens Jürgenmeyer

... Wir waren angekündigt und wurden neugierig erwartet von einer Schar kleiner und großer Mädchen und Buben, junger und alter Frauen. Noch nie zuvor hatte wohl ein Europäer diese Siedlungen betreten. Entsprechend groß war die Neugier!

Beide Siedlungen liegen weit ab von gewachsenen Dorfgemeinschaften und sind nur über schmale, holprige, jetzt nach dem Monsun stark ausgewaschene Wege erreichbar. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. In beiden Siedlungen leben je 40 Familien - in erbärmlichen Lehm- und Strohhütten, ohne frisches Trinkwasser, ohne Strom, ohne funktionierende Sanitäreinrichtungen. Zwei Toilettenhäuschen, von der Regierung vor ein paar Jahren aufgestellt, haben keine Türen.

 

„Diese Familien besitzen kein Land. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter in Steinbrüchen, als Müllsammler in nahegelegenen Städten oder als Hilfskräfte in der Landwirtschaft. Der Überlieferung nach waren die´Musahar`früher als ´Rattenfänger`tätig. Sie befreiten Gehöfte und Felder von Ratten und durften dann die Ratten als Lohn zum Verzehr behalten", Sr. Daisy.

 

An einem Wasserloch zwischen den Hütten gab es einige Schweine und ein paar Hühner. „Diese Tiere werden aber nicht zum eigenen Verzehr, sondern zum Verkauf groß gezogen. Die Menschen selbst verzehren Abfälle, die sie auf dem Markt und bei den Schlachtern einsammeln“, Sr. Daisy.

Der schlechte Gesundheitszustand der Kinder und Frauen war nicht zu übersehen. Die meisten Kinder hatten Beulen am Körper, strohiges, gelbliches Haar und kahle Stellen auf dem Kopf  – eindeutige Zeichen von Unter- und Mangelernährung.

„Bevor wir vor 3 Jahren hierher kamen, spielte sich das Leben in beiden Siedlungen jenseits aller Öffentlichkeit ab. Die Not dieser Menschen war weitgehend unsichtbar. Dazu trugen auch ihre andere Sprache und ihre eigenen Sitten und Gebräuche bei. Diese Menschen hatten keinerlei Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen, wie zu medizinischen Einrichtungen, Ernährungs- und Arbeitsprogrammen oder zu Bildung. 97 % der Männer und 99% der Frauen beider Siedlungen sind Analphabeten“, Sr. Daisy.

 

An einer Mauer hing eine Tafel mit Buchstaben und Zahlen. „Seit 2 Jahren sammeln wir jeden Morgen die Kinder ein und lehren sie ein wenig Lesen, Schreiben und Rechnen. Nach dem Unterricht bekommen die Kinder ein Mittagessen, die sog.´Schulspeisung`. Die wird vom Staat übernommen. Am Abend bieten wir Unterricht für Jugendliche und Erwachsene an. Manche können gar schon ihren Namen schreiben und hoffen, über Bildung einen ordentlichen Job zu bekommen", Sr. Daisy.

 

In beiden Siedlungen sangen die Kinder Lieder für uns und präsentierten dann voller Stolz die 2017 installierten Trinkwasserbrunnen mit den Handpumpen. „Die Menschen sind überglücklich und zutiefst dankbar, dass sie nun regelmäßig Wasser haben. Bislang haben sie ihr Wasser aus Senken, Pfützen oder Tümpeln geschöpft. Die Hygiene klappt auch schon besser und wir sind voller Hoffnung, dass mit dem sauberen Wasser auch die Krankheiten zurück gehen. Die Kindersterblichkeit ist hier sehr hoch und die Lebenserwartung liegt weit unter dem nationalen Durchschnitt“, Sr. Daisy.

 

Wir beide bewunderten zutiefst den Einsatz der Schwestern.

Wir bewunderten, wie bewusst sie sich dieser Menschen annehmen, ihnen Achtung zukommen lassen und sich zu ihren Fürsprechern machen...

 

 

 

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beim Empfang

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bisherige Wasserstelle

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Sanitäranlage

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in der Siedlung

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Frauensprechstunde

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Unterricht

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tägliche Schulspeisung

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neuer Trinkwasserbrunnen

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Blätterdach auf Holzgestell

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Empfangskommittee

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mangel-und unterernährte Kinder

 

 

 

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