27.
Juni
 

 

Powern für die Patenkinder 

 

Denzlinger Gymnasiasten sammeln bei einem Sponsorenlauf Geld für benachteiligte Mädchen in Indien.

 

DENZLINGEN. Rund 500 Schüler des Erasmus-Gymnasiums tauschten diese Woche einen Tag lang Schulbänke und Klassenzimmer gegen die Tartanbahn. In Turnschuhen und Trikots liefen sie, den Unterricht hinter sich lassend, vielfach mehrfach durch und rund um das Leichtathletikstadion, um anderen das zu ermöglichen, was für sie selbstverständlich ist. Zu Gunsten von Patenkindern in Indien, denen Schulbesuch und Bildung ermöglicht werden sollen, hatte die Arbeitsgruppe Patenschaft der Schülermitverwaltung einen Sponsorenlauf organisiert.

Es ist Tradition, dass die Schüler des Erasmus-Gymnasiums mit einer jährlichen Aktion Gelder sammeln, um drei Patenkinder in Indien beim Schulbesuch zu unterstützen. "Für die Mädchen aus dem Mädchendorf ,Naya Jivan’ ist so der Unterhalt und die Gesundheitsvorsorge gesichert", erklärt Gerda Geretschläger, die Vorsitzende des Gundelfinger Vereins "Wasser ist Leben", die es sich nicht nehmen ließ, das sportliche Treiben im Stadion mit eigenen Augen zu verfolgen. Ganz besonders freut sie, dass durch die regelmäßige Unterstützung nicht nur die Patenkinder, sondern auch die Lernbegleitung an der Schule gefördert wird. "Im vergangenen Jahr konnten so acht Schülerinnen auf ihrem Weg zu Abitur sehr viel Hilfe erfahren, in diesem Jahr werden bereits 16 Mädchen Abitur machen", so Geretschläger. Unterrichtet würde in Klassen mit bis zu 80 Schülerinnen. Durch Bildung hätten die geförderten Mädchen nun gute Voraussetzungen, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, was in Indien und insbesondere für Mädchen noch immer keine Selbstverständlichkeit sei.

"Das Indienprojekt und die Patenschaften haben für uns einen großen Stellenwert, der weit über die konkrete Hilfe hinausreicht", betont Verbindungslehrer Gernot Oberbauer. Durch das konkrete Beispiel der Patinnen werde den Denzlinger Schülern deutlich gemacht, "dass es nicht allen so gut geht wie ihnen, und der Zugang zu Bildung keineswegs für alle Altersgenossen so selbstverständlich ist, wie für sie". Das Recht zu lernen stehe gelegentlich in einem starken Kontrast zur Lust und Freude darüber, dass Unterricht ausfällt. Da könne das Projekt als Gegenpol wirken. "Bildung ist nicht überall ein hohes Gut", betont Verbindungslehrerkollegin Mareike Metz mit Blick auf die Situation, in der die Patenschülerinnen aufwachsen.

Den Eindruck, dass er lieber frei machen würde, vermittelt Michael Schmid keineswegs. Der 17-jährige Schülersprecher verantwortet federführend die Umsetzung der Idee des Sponsorenlaufs, wobei er auf die anderen Schülersprecher und ein Team von rund 16 Mitschülern bauen kann. Die einen verteilen die Rundenpunkte, andere sorgen für beflügelnde Musik und letztlich gibt es auch noch einen Stand mit Eis.

"Verlockend war neben dem Laufen für sich, dass durch die Sponsorenidee die Chance besteht, richtig viel Geld für das Projekt sammeln zu können", erklärt Schmid. Dadurch, dass das Geld nicht aus der eigenen Tasche der Schüler komme, sondern sie sich Förderer gesucht haben, die sie mit einem Festbetrag oder einem Fixbetrag je Runde unterstützen, erhofft sich der Schüler der 10. Klasse ein tolles Spendenergebnis. Die Grundvoraussetzung dafür lieferten die Schüler, die vom Start weg, auch begleitet von ein paar Lehrern, mit höchst unterschiedlichem Tempo ans Rundensammeln gingen. Unterstützung bekamen sie dabei zwischendurch von den Kindern des nahen Waldkindergartens, die lautstark anfeuerten und die Hände zum Abklatschen in den Laufbereich streckten. So leuchteten zum Abschluss am Mittag auf zahlreichen Trikots, bei manchen auch auf der bloßen Haut oder den Fingernägeln, die gesammelten Rundenpunkte. Andere, deren Blasen vom Schulsanitätsdienst vorsorgt wurden, trugen daneben auch noch Pflaster als deutliches Indiz für den Willen, sich beim Lauf für die jungen Inderinnen durch nichts ausbremsen zu lassen. Ob die Rechnung von Michael Schmid aufgegangen, und wie hoch die per pedes gesammelte Spendensumme ist, wird kommende Woche feststehen.

Markus Zimmermann,  Badische Zeitung

 

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