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Hier der Text aus WZO vom 16. Juli 2026 - von Dr. Herbert Geisler


"Anerkennung für vorbildliches Engagement"


Wildtal (hvg). Ein Brief aus dem Bundespräsidialamt flattert einem nicht alle Tage ins Haus. Als Gerda Geretschläger kürzlich einen erhielt, bekam sie beim Lesen Herzflattern: Eine Einladung zum Bundespräsidenten stand an – er würde ihr das Bundesverdienstkreuz verleihen!

Jedes Detail eines perfekt choreographierten Tages wusste sie Bürgermeister Raphael Walz zu berichten, als dieser zum Gratulieren bei ihr hereinschaute: Beim Betreten der „Villa Schöpflin“ in Lörrach wurde sie von Mitarbeiterinnen des Präsidialamtes namentlich begrüßt und erhielt aus Sicherheits- und Identifikationsgründen ein reißfestes Armband – mit dem Aufdruck „Bundeskriminalamt“.

In seiner Laudatio würdigte Frank-Walter Steinmeier den seit Jahrzehnten anhaltenden Einsatz der früheren Lehrerin zugunsten benachteiligter Mädchen und Frauen in Indien. 
Als junge Frau erlebte Gerda Geretschläger hautnah das Elend lepraverstümmelter Menschen. Sie war dabei, als die „Helpers of Mary“ mit „Naya Jivan“ („Neues Leben“) ein Heim für notleidende Mädchen gründeten, um diese vor der (seinerzeit noch als unheilbar geltenden) Menschheitsgeißel schützen zu können.

Aufopferungsbereitschaft hatte Gerda Geretschäger selbst bewiesen, als sie für ihren Einsatz in Indien ihre Karriere aufs Spiel setze: Als verbamtete Lehrerin bat sie an höherer Stelle um eine längere Freistellung, die ihr jedoch verwehrt wurde. Allenfalls, hieß es damals, könne sie ihr Beamtenverhältnis auflösen. Das tat sie kurzerhand und reiste alsbald auf einem holländischen Containerschiff in ihr Sehnsuchtsland, das sie just an ihrem 24. Geburtstag erreichte. Dort unter anderem als Englisch-, Religions- und Musiklehrerin und beim Spendeneinwerben aktiv, zeigte sich der deutsche Generalkonsul bei einem Besuch von ihrem Wirken so beeindruckt, dass er sich für sie einsetzte und erreichen konnte, dass ihre Entlassung rückwirkend in eine längere Beurlaubung umgewandelt wurde.

Ein Schock als Auslöser 1992 - dann ein Schockerlebnis: Bei einer neuerlichen Indienreise musste Geretschläger miterleben, wie verschmutztes Wasser für viele Dutzend Kinder angeliefert wurde; aufwendig musste es mehrfach gefiltert werden, bevor es als Trinkwasser genießbar war. Dies gab während eines Schulfestes an der Johann-Peter-Hebel-Grundschule dann den Anschub für die Initiative „Wasser ist Leben“.
Zunächst sollten Wasserladungen für die Kinder finanziert werden, doch dann gab es eine nahezu wundersame Fügung: Die indische Regierung ließ Wasserleitungen bis an den Grundstücksrand des Kinderdorfes verlegen, mit den Spenden konnten nun Pumpen und Zapfhähne für den Anschluss an dieses System finanziert werden.

Versorgung von Waisen, Unterstützung alleinstehender Frauen durch Nähkurse und Mikrokredite, Ausbildungen junger Frauen zu Krankenschwestern, die dadurch ein selbstbestimmtes Leben führen können, Nahrung und Unterricht für Slumkinder … – der Einsatz der Indienhilfe „Wasser ist Leben“ ist umfangreich. Und immer und immer wieder gilt es, große Not zu lindern.
Dunkle Wolken über dem Heim Derzeit wird Indiens meistbefahrene Autobahn Mumbai-Delhi ausgebaut, die neuen Fahrspuren führen in nur wenigen Metern Abstand am Haupthaus des Kinderdorfes vorbei. In dem Gebäude ist daher nun weder an Schlaf noch an Unterricht zu denken. 50 kleine Mädchen wurden in einen sanierungsbedürftigen Speicher umgesiedelt. Wasserrohre, Waschbecken und Toiletten müssen in einem Ersatzhaus erst noch geschaffen werden.
Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes hofft nun, dass ihre öffentlichkeitswirksame Auszeichnung viele Menschen nicht so sehr auf ihre Person als vielmehr auf das Wirken von „Wasser ist Leben“ aufmerksam macht – und ihn unterstützt.


Was er leistet, ist unter www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de zu finden; sein Spendenkonto: DE16 6806 4222 0003 0303 00.